Video

Berliner Türken zwischen den Fronten

Ein Fernsehbeitrag aus der TV-Lehrredaktion an der EJS 
von Charlotte Schönberger und mir

Berliner Türken zwischen den Fronten from Evangelische Journalistenschule on Vimeo.

Knapp 36 Jahre nach dem letzten Militärputsch in der türkischen Republiksgeschichte soll es wieder passiert sein: ein Versuch, die Regierung zu stürzen. Für Staatspräsident Erdoğan und seine Regierungspartei AKP sind die Verantwortlichen schnell gefunden: Er bezichtigt den islamischen Geistlichen Fethuhllah Gülen und seine Anhänger des Putschversuches. Gülen unterhält private Bildungs- und Dialogeinrichtungen in über 160 Ländern, betreibt Elitenförderung. Viele Jahre war er ein enger Vertrauter Erdoğans, heute lebt er im Exil in den USA. Kritiker beanstanden die Intransparenz der Gülen-Bewegung. Es sei weder klar, wer welche Posten besetzt, noch wofür Spendengelder verwendet werden. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte dazu der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im August: „Die Gülen-Bewegung muss selbst Klarheit schaffen, was sie eigentlich ist, eine islamisch-konservative Glaubensgemeinschaft, ein missionarisches Karrierenetzwerk oder eine islamistisch-politische und letztlich radikale Bewegung.“ Der türkische Konflikt schlägt Wellen bis nach Deutschland. In Berlin, der größten türkischen Diaspora, wird darüber gestritten wie in den Straßen Istanbuls. Welche Auswirkungen hat das auf den Alltag der Berliner Türken?

Kamera: Charlotte Schönberger, Haik Büchsenschuss, Richard Marx, Timo Nicolas
Montage: Olaf Voigtländer

Mehr Videos unserer Volontärsklasse an der Evangelischen Journalistenschule findet ihr unter berlin-hoffnung.de

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Kegel, Knüpfer, Keramik, Kochkurs – Zwei Tage Kappadokien

August 1985

Die Route ist sorgfältig geplant. Sie wissen, wie viele Kilometer sie an einem Tag schaffen müssen. Und wo der nächste Ort liegt, der auf der Karte groß genug erscheint, um dort eine Herberge vorzufinden. In Antalya mieten sie ein Auto. Wie schon im Jahr zuvor. Passieren Side, Manavgat, Alanya, Anamur. Besuchen das vermeintliche Geburtshaus von Paulus in Tarsus. Durch die kilikische Pforte geht es ins Landesinnere. Wuchtige Laster brausen an ihrem Kleinwagen vorbei. Die Luft riecht nach Sommerferien und Abenteuer. Nach einer Nacht in Niğde fahren sie durch bis Ürgüp. Der erste Blick auf die Tuffsteingebilde Kappadokiens brennt sich in ihr Gedächtnis wie die Sonne in die Grashalme der Kärge.

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Bild

Wie beim 1. Mal

Auch beim 13. Landeanflug bist Du mir noch ein Rätsel. Die letzte halbe Stunde klebe ich an der Scheibe und meine, bekannte Orte zu entdecken, die aber vermutlich noch nicht mal in der Türkei liegen. Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind an Heiligabend. Jedes Mal wieder. Das erste Mal Luft holen beim Aussteigen. Der tischtennisballgroße orangefarbene Mond. Das erste Mal wieder am Bosporus stehen und den Möwen zuhören. Der erste Simit, der erste Çay, die erste Dolmuş-Fahrt. Eigentlich will ich gar nicht mehr weg. Es ist also alles wie immer. Oder wie beim ersten Mal.

Gezi’yi unutma! Im Gedenken an Gezi

Zwei Jahre sind vergangen seit sich die türkische Zivilgesellschaft aufgelehnt und die Straßen erobert hat. Wer die Dynamik miterlebt hat, mit der sich die Proteste Ende Mai 2013 vom Istanbuler Gezi-Park auf das ganze Land und solidarisierende Großstädte weltweit ausgeweitet haben, der wird dieses Datum nicht vergessen.

Auch ich denke noch oft an den Tag, an dem auf einmal alles anders war. An die Euphorie und die Anspannung. An das Geräusch von rotierenden Hubschraubern, das die Schlachtrufe der Menschenmasse nicht übertönen konnte. An platzende Gaskartuschen, das Kribbeln in der Nase und das Brennen in Hals und Augen. Gezi darf nicht vergessen werden! Ein kleiner Beitrag dazu aus meinem Archiv, erschienen auf dem Blog des von mir sehr geschätzten Orientalisten und Journalisten Marcus Schoft. Teil 1: Wie es zum Widerstand kam – Das Vorspiel zum Gas(t)spiel  Teil 2: Gas(t)spiel am Bosporus

Und hier ein kleiner Textauszug:

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Zum Abschuss freigegeben

Wer in der Türkei demonstrieren will, muss sich der Risiken bewusst sein. Das war auch am ersten Jahrestag von Gezi spürbar, an dem deutlich weniger Menschen auf die Straßen gingen als beim Ausbruch der Proteste am 31. Mai 2013. Wo ist die Euphorie der Widerstandsbewegung hin? Die Überzeugung, etwas ändern zu können? Es ist zu riskant geworden, hörte ich von vielen. Dabei dachten sie an Festnahmen, Schläge, fliegende Tränengaskartuschen. In wenigen Wochen steht zum zweiten Mal #Geziversary an. Doch diesmal ist etwas anders. Die Sanktionen gegenüber Demonstranten waren seit Jahren nicht so verschärft wie jetzt.

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